Mobile, Social oder Community – what’s really first?

Mobile, Social oder Community – what’s really first? 12 First-Ansätze im Überblick und wie Sie die relevanten auswählen

Mobile first, Social first, Community first: Inzwischen gibt es eine Vielzahl von First-Ansätzen im Marketing. Und in jedem steckt bereits im Namen der Anspruch, besonders wichtig zu sein – «first» eben. Sind diese Begriffe bloss weitere Buzzwords? Vor allem aber: Wie entscheiden Unternehmen, welcher Ansatz für sie Priorität hat? Zwei Profis ordnen ein.

Ein Filzstift und ein Notizblock mit dem Text «First Things First» auf gelbem Hintergrund.
Als strategische Leitplanken helfen First-Ansätze dabei, das Marketing zu optimieren.

Am 9. Januar 2007 stellte Steve Jobs das erste iPhone vor. Was zunächst lediglich wie eine Produktneuheit wirkte, entpuppte sich rasch als echter Gamechanger – auch für das Marketing. Denn mit dem Smartphone veränderte sich nicht nur die Technologie, sondern genauso das Nutzungsverhalten: Menschen surften zunehmend mobil. Allerdings waren die Websites damals nicht für die mobile Nutzung ausgelegt. Die Unternehmen mussten handeln. Immer mehr von ihnen setzten auf Mobile first und reagierten damit auf die neue Gewohnheit. Wer diese Entwicklung verschlief, verlor auf der Website an Traffic.

Die nächste grosse Revolution im Marketing waren die Social-Media-Plattformen. Mit ihnen entstand Social first. Bald folgten weitere First-Ansätze, die das Marketing umkrempelten: zum Beispiel Content first als Gegenbewegung zu kampagnengetriebener Werbung und Privacy first angesichts regulatorischer Anforderungen. First-Ansätze im Marketing sind also eine Reaktion auf grundlegende Veränderungen im Umfeld.

Welche First-Ansätze gibt es?

Mobile first
Social first
Community first
Data first
Content first
Digital first
Customer first
Privacy first
Performance first
Brand first
Automation first / AI first
Video first

Wie neue First-Ansätze entstehen – und Agenturen sie prägen

First-Ansätze entstehen in der Regel dann, wenn sich die Rahmenbedingungen im Marketing verschieben – etwa «durch neue Technologien, verändertes Nutzungsverhalten oder strengere regulatorische Vorgaben», so Johannes Fenner, Dozent für digitales Marketing an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. «First-Ansätze sind Ausdruck davon, wie Unternehmen auf diese Veränderungen reagieren. Gleichzeitig dienen sie als Orientierungshilfe in einem immer komplexeren Umfeld und verdeutlichen, was gerade als besonders relevant oder zeitgemäss gilt.»

Teil dieser Logik ist auch, dass Agenturen stark mit First-Ansätzen arbeiten. Fabian Habisreutinger, Managing Director bei der Agentur Sir Mary, erklärt das so: «Indem sich Agenturen zum Beispiel als Social-first- oder Content-first-Agentur positionieren, machen sie sichtbar, worauf sie sich spezialisiert haben und mit welchem Fokus sie ihre Kundschaft unterstützen wollen. Die First-Ansätze sind aber nicht nur ein Mittel der Positionierung, sondern unterstreichen auch die eigene Kompetenz und Innovationskraft.»

Gleichzeitig versuchen manche Anbieter, auf möglichst viele Züge aufzuspringen – weshalb um First-Begriffe oft ein regelrechter Buzz entsteht. Sie sind also immer auch als rhetorisches Mittel zu verstehen, mit dem Aufmerksamkeit erzeugt oder ein Perspektivenwechsel angeregt werden soll. Für Fabian Habisreutinger ist aber klar: «Hilfreich ist der First-Ansatz einer Agentur nur dann, wenn er ein echtes Business- oder Kommunikationsproblem der Kundschaft löst. Schafft er hingegen keinen Mehrwert und wird weder weitergedacht noch skaliert, ist er nicht mehr als ein PR-Stunt.»

First-Ansätze als strategische Ausrichtung

Angesichts der vielen First-Ansätze drängt sich die Frage auf: Kann überhaupt alles «first» sein? Der Begriff impliziert eine klare Priorität – und diese kann per Definition eigentlich nur einer Methode zugesprochen werden. Doch so dogmatisch sollte das Ganze nicht gesehen werden. Denn die First-Ansätze betreffen unterschiedliche Gebiete: Technologien (Mobile first), Kanäle (Social first), Formate (Video first) oder Prozesse und Arbeitsweisen (Automation first). Deshalb konkurrenzieren sie sich nicht zwingend. Wirkungsvolle Marketingstrategien können auch im Zusammenspiel verschiedener Ansätze entstehen, wie folgende Beispiele zeigen: Community braucht Social Media, Social Media braucht Mobile. Oder: Automation verlangt Data, Data verlangt Privacy.

First-Ansätze bieten also vor allem Orientierung und helfen bei der strategischen Ausrichtung des Marketings: «Ein First-Ansatz macht klar, wo der strategische Fokus liegt», so Johannes Fenner. «Er hilft, die richtigen strategischen Entscheidungen zu treffen, Ressourcen gezielt einzusetzen und intern Know-how zu diesem Schwerpunkt aufzubauen.» Ganz ähnlich sieht das Fabian Habisreutinger: «Wenn sich ein Unternehmen für einen First-Ansatz entscheidet und dadurch mit neuen Plattformen oder Technologien arbeitet, implementiert es entsprechende Prozesse früh und nachhaltig. Nach aussen zahlt das auf das Innovationsimage ein, nach innen auf Lernkurven und die strategische Entscheidungsfähigkeit.»

Die Wahl der First-Ansätze

Bei der Wahl von First-Ansätzen spielt der Reifegrad des Unternehmens eine wichtige Rolle: «Start-ups können First-Ansätze oft radikal und von Beginn weg umsetzen», so Johannes Fenner. Für grosse, etablierte Unternehmen sei das deutlich schwieriger. «Dort sind First-Ansätze meist mit grundlegenden strategischen Neuausrichtungen, Change-Prozessen und kulturellen Fragen verbunden. Grosse Unternehmen sind diesbezüglich wie träge Tanker, Start-ups wie Schnellboote – beide können den Kurs ändern, aber in sehr unterschiedlichem Tempo.»

Es kommt auch vor, dass Unternehmen einen falschen First-Ansatz wählen. Doch woran lässt sich das erkennen? «Ein klares Warnsignal ist, wenn der Ansatz intern als Spielerei wahrgenommen wird», meint Fabian Habisreutinger. «Wenn zum Beispiel nach einem halben Jahr niemand mehr weiss, warum man sich dafür entschieden hat, stimmt etwas nicht. Weitere Anzeichen sind fehlende Weiterentwicklung im Rahmen des First-Ansatzes, fehlender Business Impact und Desinteresse der Zielgruppe für den gewählten Ansatz.»

Binden Sie Ihre Kundinnen und Kunden in Ihr Marketing ein

Engagierte Kunden sind bessere Kunden. Unser Aktionsprogramm Engagement Marketing zeigt Ihnen die Methoden, Massnahmen und Möglichkeiten, mit denen Sie aus passiven Empfängern von Werbebotschaften aktive Mitgestalter Ihrer Brand Story machen. Profitieren Sie von unserer Übersicht.

Jetzt Aktionsprogramm kostenlos anfordern

What’s really first for us?

Unternehmen sind also gefordert, die für sie relevanten First-Ansätze auszuwählen. Die entscheidende Frage lautet: What’s really first for us? Eine einfache Einteilung der First-Ansätze in drei Gruppen hilft bei der Priorisierung:

1. Must-haves: First-Ansätze als Grundvoraussetzung

Manche First-Ansätze sind heute keine strategische Option mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für wirksames Marketing. Sie ergeben sich direkt aus dem Nutzungsverhalten oder aus strukturellen Rahmenbedingungen. Unternehmen sollten sich daher überlegen, welche Ansätze in ihrem Umfeld zwingend erfüllt sein müssen – unabhängig davon, wie sie sich strategisch positionieren.

Beispiele:
  • Customer first: Für Johannes Fenner ist dieser Ansatz das zentrale Must-have: «Der Kundennutzen muss immer im Zentrum stehen – davon lässt sich alles andere ableiten.» Diese Grundhaltung ist also die Basis für erfolgreiches Marketing, gerade angesichts knapperer Werbebudgets und eines verschärften Wettbewerbs in vielen Branchen. Wer durch herausragende Kundenerlebnisse überzeugt, profitiert von Kundenbindung und Weiterempfehlungen, muss tendenziell weniger in die Akquisition von Neukunden investieren.
  • Mobile first: Weil ein Grossteil der Zielgruppen im B2C-Bereich auf Inhalte und Angebote primär über das Smartphone zugreift, ist Mobile first heute für die meisten Unternehmen unverzichtbar. Im B2B-Bereich kann dies je nach Branche und Zielgruppe anders aussehen.
  • Digital first: Da der erste Kontakt mit Unternehmen heute in den meisten Fällen digital stattfindet, ist Digital first für viele Marken eine Grundvoraussetzung im Marketing.

2. Bewusste Wahl: First-Ansätze als strategische Priorisierung

Andere First-Ansätze stehen für Philosophien und strategische Schwerpunkte von Marketingteams. Sie sind eng mit den Zielen und Stärken eines Unternehmens verknüpft. Welche Ansätze relevant sind, hängt unter anderem von Angebot, Zielgruppe, Wettbewerbssituation und Markenreife ab.

Beispiele:
  • Content first: Dieser Ansatz ist etwa sinnvoll, wenn Angebote erklärungsbedürftig sind, Vertrauen aufgebaut werden muss und Inhalte langfristig wirken.
  • Brand first: Dieser Ansatz passt, wenn die Angebote des Unternehmens austauschbar sind und daher die Differenzierung über die Marke entscheidend ist.

3. Nachgelagerte First-Ansätze

Schliesslich gibt es First-Ansätze, die andere Ansätze voraussetzen. Streng genommen sind sie also nicht «first». Im weiteren Sinne widerspiegeln aber auch sie die Marketingphilosophie eines Unternehmens.

Beispiele:
  • Community first: Die meisten Unternehmen setzen für den Aufbau ihrer Community primär auf Social Media. Folglich bedingt dies einen Social-first-Ansatz.
  • Privacy first: Dieser Ansatz wird im Marketing erst dann wirklich relevant, wenn Daten für Personalisierung, Tracking oder Kampagnenoptimierung systematisch gesammelt und genutzt werden. Er ist daher einem Data-first-Ansatz nachgelagert.
So bestimmen Sie die relevanten First-Ansätze

Einen First-Ansatz konsequent zu verfolgen, ist immer eine strategische Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen – beispielsweise für Budgetverteilung, Arbeitsweisen und Entscheidungslogiken. Springen Sie also nicht einfach auf Ansätze auf, die gerade häufig erwähnt werden. Um aus der Vielzahl an First-Ansätzen diejenigen auszuwählen, die Ihr Unternehmen wirklich weiterbringen, helfen Ihnen unter anderem die folgenden Kriterien:

Zielbeitrag: Welcher konkrete Beitrag kann der Ansatz zu Ihren aktuellen Unternehmens- oder Marketingzielen leisten?

Ressourcen und Kompetenzen: Dazu zählen Budget, personelle Kapazitäten und Know-how. Content first etwa setzt redaktionelle Kompetenz und Ausdauer voraus. AI first oder Automation first erfordert technisches Verständnis, saubere Daten und stabile Prozesse. Was also liegt bei Ihnen im Rahmen des Möglichen?

Effizienz: Welche Ansätze zahlen mit vertretbarem Aufwand auf die gesetzten Ziele ein? «Bei der Effizienz geht es nicht nur um Kostenreduktion, sondern auch um Lernkurven, Wiederverwendbarkeit und Skalierbarkeit von Massnahmen», erklärt Fabian Habisreutinger von Sir Mary.

Medienverhalten der Zielgruppe: Ihre Zielgruppe bestimmt wesentlich darüber mit, welche First-Ansätze Ihr Marketing verfolgen sollte: Auf welchen Kanälen hält sie sich primär auf? Wie informiert sie sich? Wie hoch ist ihre Erwartung an Inhalte, Interaktionen oder Personalisierung?

Markenfit: «Der gewählte First-Ansatz muss nicht nur zur Zielgruppe, sondern auch zur Marke passen», so Fabian Habisreutinger. «Tut er das nicht, wirkt er aufgesetzt, untergräbt die Glaubwürdigkeit der Marke und entfaltet weder intern noch extern nachhaltige Wirkung.»

Marktumfeld: Analysieren Sie, welche First-Ansätze Ihre Mitbewerber verfolgen. Ergeben sich dadurch Must-have-Ansätze für Sie? Oder hilft Ihnen das konsequente Verfolgen anderer Ansätze samt der entsprechenden Kommunikation, sich klar am Markt zu positionieren?

Johannes Fenner

ist Dozent für digitales Marketing an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW.

Portrait Johannes Fenner

Fabian Habisreutinger

ist Partner und Managing Director bei der Werbeagentur Sir Mary.

Portrait Fabian Habisreutinger

Diese Spielregeln fürs Community Management müssen Sie kennen

Schnell, interaktiv, nah bei der Zielgruppe: Die Kommunikation mit Ihrer Community hat grosses Potenzial. Nutzen Sie es! Unser Leitfaden hilft Ihnen, die Community systematisch aufzubauen, den Dialog am Laufen zu halten, aber auch richtig auf Störenfriede zu reagieren.

Jetzt anfordern