First-Ansätze auf dem Prüfstand

First-Ansätze auf dem Prüfstand Fünf Perspektiven von Marketingprofis

Manche First-Ansätze im Marketing halten sich lange – andere verschwinden rasch wieder. Wie relevant sind sie überhaupt noch für Werbetreibende und ihre Agenturen? Welche haben bald ausgedient? Und killt KI die First-Ansätze? Die Einschätzung von fünf Marketingprofis.

Person von oben, die einen Kompass in der Hand hält, auf dem Boden ist ein dicker, weisser Pfeil zu sehen.
Social first, Community first oder Content first: First-Ansätze bieten Orientierung und helfen bei der strategischen Ausrichtung des Marketings.

Welcher First-Ansatz hat ausgedient?

Tina von Däniken, Dozentin für Marketing, Berner Fachhochschule BFH
Portrait Tina von Däniken

«Der Mobile-first-Ansatz hat ausgedient. Nicht, weil Mobile an Relevanz verloren hätte, sondern weil es heute schlicht Standard ist. Mit dem Aufkommen des Smartphones war Mobile first ein echter Paradigmenwechsel. Und bis heute fällt man negativ auf, wenn man die Optimierung für Mobilgeräte vernachlässigt, denn die Customer Journey beginnt oft mobil. Differenzierung entsteht im Marketing jedoch nicht mehr über einen einzelnen Touchpoint. Kundinnen und Kunden bewegen sich fluid zwischen verschiedenen Geräten und Kanälen. Der Fokus verschiebt sich deshalb zu Social- und insbesondere Community-first-Ansätzen. Es geht weniger um reine Marketingbotschaften, sondern stärker um Authentizität, Dialog und echte Interaktion – Vertrauen wird zur entscheidenden Währung.»

Wie gehen Sie mit den vielen First-Ansätzen um?

Lukas Borner, Projektleiter Contentmanagement, Swiss Post Advertising
Portrait Lukas Borner

«Die meisten First-Ansätze klingen einleuchtend. Trotzdem warne ich davor, sich vorschnell für einen Ansatz zu entscheiden und das gesamte Marketing darauf auszurichten. Eine solche Priorisierung engt den Blick oft stark ein, andere wichtige Aspekte geraten leicht in den Hintergrund. Auch wenn es praktisch wäre: Für wirkungsvolles Marketing gibt es keine Abkürzung. Es braucht ein strategisches Fundament, das von Ziel, Kontext und Wirkung her gedacht wird – nicht von einem einzelnen Ansatz. First-Ansätze können ein inspirierendes Werkzeug sein, um einzelne Kampagnen oder Massnahmen zu fokussieren und ihre Wirkung zu optimieren. Entscheidend ist, dass der gewählte Ansatz zum Kontext passt und je nach Kampagne auch wechseln darf: Mal wird eine Kampagne Social first gedacht, mal Community first und manchmal folgt sie einer ganz anderen Logik.»

Diese Spielregeln fürs Community Management müssen Sie kennen

Schnell, interaktiv, nah bei der Zielgruppe: Die Kommunikation mit Ihrer Community hat grosses Potenzial. Nutzen Sie es! Unser Leitfaden hilft Ihnen, die Community systematisch aufzubauen, den Dialog am Laufen zu halten, aber auch richtig auf Störenfriede zu reagieren.

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Wie nutzen Sie First-Ansätze in Ihrer Agentur?

Andrea Braschler, Managing Director und Beraterin, Neu Creative Agency
Portrait Andrea Braschler

«Die First-Ansätze helfen uns bei der Priorisierung. Mit dem Fokus auf einen bestimmten First-Ansatz suchen wir erste Ideen und leiten davon die Dramaturgie für die ganze Kampagne ab. First-Ansätze unterstützen uns auch dabei, die richtige Perspektive einzunehmen – ausgehend vom Nutzungsverhalten und den Bedürfnissen der Zielgruppe. So entstehen Kampagnen, die nicht nur auffallen, sondern auch relevant sind. Je nach Briefing verzichten wir allerdings bewusst auf die Eingrenzung, die ein First-Ansatz mit sich bringt. Das erlaubt es uns, breiter zu denken und eine starke kreative Idee zu entwickeln, die wir dann wirkungsvoll auf die einzelnen Kanäle übersetzen.»

Welcher First-Ansatz dominiert morgen?

Sandra Gehrig, COO, jls digital ag
Portrait Sandra Gehrig

«Der AI-first-Ansatz wird das nächste Jahrzehnt prägen. Er ersetzt jedoch nicht den Customer-first-Ansatz, sondern ergänzt ihn. Denn wenn wir AI blind einsetzen, optimieren wir zwar Prozesse, aber nicht zwingend die Wirkung. AI ist für uns kein Ersatz für Expertise. Sie ist vielmehr ein Multiplikator für Erfahrung und Kundenverständnis. Die Frage lautet also: Was bringt uns AI first als strategischer Ansatz? Besonders bei der Ideenfindung entfaltet künstliche Intelligenz ihren Wert: Wir können bei Weblösungen schneller Prototypen erstellen, das Nutzerverhalten früher messen und Lösungen iterativ weiterentwickeln. Doch um einzigartige Kundenerlebnisse zu schaffen, braucht es mehr als AI – genauso wichtig sind Designkompetenz und die konsequente Perspektive des Kunden.»

Killt KI die First-Ansätze?

Markus Gut, Partner und Lead Branding, Farner
Portrait Markus Gut

«Ich glaube nicht, dass KI die First-Ansätze killt – eher im Gegenteil. KI kann sogar neue First-Ansätze hervorbringen, wie es zuvor schon andere Technologien getan haben. Wenn man sich die heute bekannten Ansätze anschaut, zeigt sich ohnehin: Sie kommen und gehen. Mobile first oder Digital first waren einmal prägende Ansätze – heute sind sie längst Standard. KI wird den einen oder anderen First-Ansatz verändern oder verdrängen, aber sicher nicht alle. Ich bin zum Beispiel überzeugt, dass hochwertige Inhalte weiterhin zentral bleiben. Entsprechend wird auch der Content-first-Ansatz seine Berechtigung behalten.»

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