Neuromarketing: Methoden und Vorteile im Überblick

Neuromarketing: Methoden und Vorteile im Überblick Wie Sie Kaufentscheidungen gezielt beeinflussen

Warum kaufen wir, was wir kaufen? Neuromarketing untersucht, wie Gehirn und Körper auf Marketingreize reagieren – und welche unbewussten Prozesse bei Kaufentscheiden ablaufen. Durch moderne Messmethoden macht es diese Mechanismen sichtbar und zeigt, mit welchen Triggern Werbung die Zielgruppe intuitiv überzeugt.

Eine Frau am Notebook schaut sich eine Illustration zum Thema Neuromarketing an.
Immer mehr Unternehmen wollen wissen, wie die Entscheidungsprozesse ihrer Zielgruppen ablaufen. Neuromarketing hilft ihnen mit wissenschaftlichen Methoden dabei, die emotionalen Reaktionen auf ihre Werbung zu verstehen.

Der globale Markt für Neuromarketing wächst rasant: von rund 1,7 Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf voraussichtlich fast 3,7 Milliarden Dollar im Jahr 2033. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von fast neun Prozent, wie der Bericht «Neuromarketing Market Size, Share & Growth Report by 2033» des Marktforschungsunternehmens Straits Research zeigt. Zu einem ähnlichen Resultat kommt eine Studie von Mordor Intelligence für den Zeitraum 2025 bis 2030.

Der Grund für diese Entwicklung? Immer mehr Unternehmen wollen verstehen, wie Konsumierende Kaufentscheidungen treffen und wie sie auf Werbung reagieren. Am besten lässt sich das mit neurowissenschaftlichen Methoden herausfinden. Denn sie gewähren mit bildgebenden Verfahren im wahrsten Sinne des Wortes Einblicke in die Gehirne der Konsumierenden. So lassen sich Zusammenhänge zwischen Hirnaktivitäten und Entscheidungsfindung aufzeigen.

Was ist Neuromarketing?

Neuromarketing ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft und der Psychologie für das Marketing nutzbar macht. Ausgangspunkt ist die neurowissenschaftliche Erkenntnis, dass Kaufentscheidungen zu einem Grossteil unbewusst ablaufen. Da sich diese Prozesse mit klassischen Befragungen nicht erfassen lassen, nimmt Neuromarketing die Gehirnaktivitäten, physiologische Signale wie Mimik, Herzfrequenz, Hautreaktion und Reaktionszeiten während des Entscheidungsprozesses genauer unter die Lupe.

Die neuronalen Prozesse – etwa beim Lesen eines Mailings, beim Schauen eines Werbeclips oder beim Betrachten einer digitalen Aussenwerbung – geben Aufschluss darüber,

  • welche Reize Aufmerksamkeit erzeugen,
  • welche Botschaften die Zielgruppe versteht,
  • welche Emotionen bei ihr ausgelöst werden
  • und wie gut sich Inhalte im Gedächtnis verankern.

Dadurch lassen sich Gefühle, Motive und Verhaltensmuster von Konsumierenden deutlich besser verstehen, vorhersagen und beeinflussen.

Diese Einblicke bilden die Grundlage, um die Marketingkommunikation wirksamer zu gestalten und Werbemittel zu optimieren, sodass sie die gewünschten emotionalen Reaktionen und Handlungen auslösen. Mit Neuromarketing lassen sich Konsumierende also gezielter zu einem Kauf animieren. Erfolgreiche Werbung ist dann kein Zufall mehr.

Warum Emotionen für Kaufentscheidungen zentral sind

So triggern Sie Ihre Zielgruppe

Emotionale Werbung wirkt stärker. Doch wie gehen Sie vor, um das Unterbewusstsein der Menschen anzusprechen? Unser kostenloser Leitfaden hilft Ihnen, gezielt Emotionen auszulösen. Plus: Gute Beispiele, wie Sie mit Titeln gekonnt triggern und mehr Klicks generieren.

Jetzt anfordern

Vier Wirkdimensionen des Neuromarketings

Neuromarketing untersucht, wie Menschen Werbereize wahrnehmen, verarbeiten und bewerten – und wie diese Prozesse ihr Verhalten beeinflussen. Besonders relevant sind vier Wirkdimensionen:

1. Aufmerksamkeit

Nur was in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangt, kann das Gehirn überhaupt verarbeiten. Neuromarketing misst daher, welche Elemente eines Werbemittels die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, in welcher Reihenfolge sie betrachtet werden und wie lange sie im Fokus bleiben. Gemessen wird das beispielsweise mit Eye Tracking (siehe unten).

2. Verständlichkeit

Damit Werbung wirkt, muss sie schnell und mühelos verstanden werden. Je flüssiger bzw. reibungsloser die Reize verarbeitet werden (Cognitive Fluency), desto stärker ist deren Wirkung. Neuromarketing untersucht, wie leicht Botschaften erfasst werden, wo eine kognitive Belastung entsteht – also eine mentale Anstrengung, um Informationen zu verarbeiten – und an welchen Stellen die Verarbeitung von Informationen ins Stocken gerät. Zum Beispiel werden mittels Elektroenzephalografie (EEG, siehe unten) Reaktionszeiten oder Gehirnaktivitäten gemessen.

3. Emotionalität

Emotionen bestimmen, wie Menschen Reize bewerten und ob sie sich mit einem Angebot auseinandersetzen oder es ignorieren. Neuromarketing erfasst daher, welche emotionalen Reaktionen ein Werbemittel auslöst und wie intensiv diese ausfallen. Sichtbar wird das durch Verfahren wie Facial Coding (siehe unten), Hautleitfähigkeit oder Herzfrequenzmessungen, die emotionale Erregung und Engagement zeigen.

4. Erinnerbarkeit

Nur Informationen, die im Gedächtnis verankert werden, können das Verhalten der Konsumierenden beeinflussen. Neuromarketing untersucht darum, welche Reize gespeichert werden – und warum. Gemessen wird dies zum Beispiel über Abruf- und Wiedererkennungstests. Diese zeigen, ob sich die Testpersonen nach einer gewissen Zeit an Inhalte erinnern. Ein weiteres gängiges Verfahren ist die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT, siehe unten). Sie macht die Aktivierungen in Gedächtnisregionen sichtbar, die darauf hindeuten, dass ein Reiz wahrscheinlich gespeichert wird.

Die wichtigsten Neuromarketing-Methoden im Überblick

Implizite Assoziationsmethode
Eye Tracking
Facial Coding
Galvanische Hautreaktion (Galvanic Skin Response, GSR)
Herzratenvariabilität (HRV)
Elektroenzephalografie (EEG)
Funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT)

Um die Kaufentscheidungen von Konsumierenden wirklich zu verstehen, werden oft sogar mehrere Verfahren kombiniert. Gängige Kombinationen sind zum Beispiel: EEG und Eye Tracking zur gleichzeitigen Erfassung von Blickverhalten und neuronaler Verarbeitung, fMRT und GSR zum Verbinden tiefer Hirnprozesse mit emotionaler Erregung.

Bei welcher Ausgangslage ist Neuromarketing sinnvoll?

Bei Neuromarketing denken viele sofort an grosse Unternehmen. Doch eignet es sich auch für KMU oder Non-Profit-Organisationen (NPO)? Ja, meint Kai-Markus Müller, Neurowissenschaftler und Professor für Consumer Behavior an der Hochschule Furtwangen. «Und auch im B2B ist Neuromarketing relevant, weil Entscheidungen immer emotional getroffen werden. In diesem Kontext spricht man aber eher von Behavioral Economics, wo die Entscheidungspsychologie im Zentrum steht.»

Ob Neuromarketing der richtige Ansatz ist, hängt immer auch von der Fragestellung ab. «Möchte beispielsweise ein Konzern sein Logo ändern, geht es um Kosten in Millionenhöhe. Da will er sich nicht auf Befragungsantworten verlassen, die möglicherweise verzerrt sind», so Kai-Markus Müller. «Neurowissenschaftliche Verfahren hingegen zeigen hier sehr gut: Spricht das neue Logo das Unterbewusstsein an? Erzeugt es Vertrauen? Und vor allem: Welche von mehreren Logovarianten löst die positivsten Reaktionen aus?»

Besonders aussagekräftig: Varianten vergleichen

Neuromarketing ist also immer dann besonders sinnvoll, wenn Alternativen zur Auswahl stehen. Kai-Markus Müller erklärt das so: «Es bringt wenig, danach zu fragen, ob ein Werbemittel wirkt, weil ‹wirkt› unscharf ist. Besser ist es, eine Entscheidungsfrage zu formulieren: Wirkt es zum Beispiel stärker als die der Konkurrenz?» Neuromarketing kann dann präzise aufzeigen, welche Variante unterbewusst besser funktioniert, welche emotionalen Netzwerke anspringen und in welche Richtung sich Entscheidungen wahrscheinlich bewegen. Das hilft, teure Fehlentscheide zu vermeiden.

Und mit welchem Budget müssen Unternehmen für Neuromarketing rechnen? Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Klar ist aber: Neuromarketing kostet heute deutlich weniger als früher. «Es braucht nicht immer ein teures bildgebendes Verfahren wie die fMRT zu sein», sagt Olaf Hartmann, Gründer des Multisense Instituts. «Oft sind auch implizite Messmethoden wie Assoziationstests sehr aussagekräftig. Da ist man in der Regel bereits mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag dabei.»

«Brand Management ist Brain Management»

Laut Olaf Hartmann lässt sich Neuromarketing auch für die Markenführung einsetzen: «Denn Brand Management ist immer auch Brain Management. Unser Gehirn sucht ständig nach Abkürzungen – und Marken sind solche mentalen Abkürzungen: Sie helfen uns, Entscheidungen schneller und sicherer zu treffen, und wir sind bereit, mehr für diese Convenience zu zahlen.»

Neuromarketing unterstützt Unternehmen dabei, ein belastbares mentales Modell ihrer Marke zu entwickeln: Wie wird sie im Kopf der Konsumierenden verankert? Mit welchen Motiven, Erwartungen und Bedeutungen ist sie verbunden? Und in welchen Konsum- oder Bedarfssituationen wird sie überhaupt relevant? Dabei zeigt sich immer wieder: «Entscheidend ist nicht allein, was Unternehmen objektiv leisten, sondern was im Gehirn ankommt», so Olaf Hartmann. «Das Neuromarketing liefert also keinen Verkaufsknopf. Mit seinen Erkenntnissen lässt sich aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Werbe- und Branding-Massnahmen wirken, weil sie an den tatsächlichen Entscheidungsmechanismen der Menschen ansetzen.»

Was leistet generative und prädiktive KI im Neuromarketing?

Verhaltenspsychologische Effekte nutzen

Neuromarketing-Untersuchungen sind in den letzten Jahren auch für Unternehmen mit kleinem Marketingbudget zugänglich geworden. Wer dennoch keine eigene Untersuchung in Auftrag geben möchte, kann zumindest Erkenntnisse aus der Neuro- und Verhaltensforschung für sich nutzen: also gezielt verhaltenspsychologische Effekte in die eigene Werbung integrieren, um emotionale Reize auszulösen und Kaufentscheidungen zu beeinflussen.

Vertrauensanker
Ankereffekt
Framing
Social Proof
Zero-Price-Effekt
Endowment-Effekt
Decoy-Effekt
Disrupt and reframe

Printwerbung: Stärkere Reize im Gehirn

Aus Sicht des Neuromarketing spricht vieles dafür, weiterhin auf Dialogmarketing-Kanäle zu setzen – insbesondere auf Print. «Kontakt ist nicht gleich Kontakt», betont Olaf Hartmann. «Verschiedene Kanäle erzeugen völlig unterschiedliche Wirkungen im Gehirn.» Gerade gedruckte Medien hätten hier immer noch Vorteile: Sie aktivieren stärker und wirken länger als viele digitale Touchpoints. «Print wird intensiver verarbeitet, erzeugt mehr Aufmerksamkeit und hinterlässt tiefere Spuren im Gedächtnis. Das sind genau jene Faktoren, die die Wirkung weiterer Markenkontakte und Kaufentscheidungen beeinflussen.»

Multisensorische Reize setzen

Zahlreiche Studien belegen, dass Werbung für mehrere Sinne stärker wirkt, die Kaufbereitschaft deutlich erhöht und die Markenbindung festigt. Insbesondere der Einbezug von olfaktorischen (Geruchssinn), gustatorischen (Geschmackssinn) und haptischen (Tastsinn) Reizen in die Werbemassnahmen verstärkt deren Wirkung um ein Vielfaches. Sensorische Signale gelangen als Nervenimpulse ins Gehirn und werden dort in unterschiedlichen Regionen verarbeitet.

Multisensorisches Marketing macht sich diesen Prozess zunutze, um Botschaften tief im Gehirn der Kundinnen und Kunden zu verankern und Handlungen, sprich Käufe auszulösen. Deshalb wirken unter anderem physische Mailings und Samplings so stark.

Olaf Hartmann

ist Geschäftsführer des Multisense Instituts für sensorisches Marketing und Co-Autor des Buches «Markenkraft durch Brand Experience».

Portrait Olaf Hartmann

Kai-Markus Müller

ist Neurowissenschaftler und Professor für Consumer Behavior an der Hochschule Furtwangen.

Portrait Kai-Markus Müller

Treffen Sie Ihre Kundinnen und Kunden dort, wo sie sind

Folgen Sie den Konsumenten auf ihrer Customer Journey und kombinieren Sie Ihre Kanäle mit maximaler Wirkung.

Ich will mehr über Cross-Channel-Solutions erfahren