Kreative Exzellenz – schneller zu stärkeren Ideen

Kreative Exzellenz – schneller zu stärkeren Ideen So steuern Sie den Kreativitätsprozess

Die besten Einfälle entstehen oft nicht im Büro, sondern beim Sport, unter der Dusche oder im Tram. Wie lässt sich diese schöpferische Kraft im Marketingalltag reproduzieren? Um starke kreative Leitideen zu entwickeln, brauchen Sie die richtigen Voraussetzungen, einen strukturierten Prozess und KI als Sidekick.

Ein Team erarbeitet eine kreative Idee
In der Forschung gelten Ideen als kreativ, wenn sie zwei Kriterien erfüllen: Sie müssen originell sein und einen Nutzen haben.

«Wer hat’s erfunden?» Bestimmt hören Sie in Ihrem Kopf schon die Antwort auf diese Frage: Natürlich Ricola. Die kreative Leitidee dahinter positionierte die Marke fast drei Jahrzehnte lang als Produzentin der besten Hustenbonbons. Seit 2026 präsentiert Ricola seine Bonbons als Begleiter für das ganze Jahr und nicht nur für den Winter. Die Botschaft lautet: Im stressigen Alltag soll man auch mal durchatmen – und am besten geht das mit einem Ricola-Bonbon.

Veranschaulicht wird diese Leitidee unter anderem in einem Spot aus der Skischule: Der Skischullehrer droht im Quasseln der Kinder unterzugehen. Doch dann greift er zur Ricola-Packung und wird gelassen. Dieses Beispiel zeigt, dass erfolgreiche Werbung neben Messbarkeit, Skalierbarkeit und Timing weiterhin und vor allem von ihrer kreativen Kraft lebt.

Was ist Kreativität?
Wie entsteht Kreativität?
Was ist eine kreative Leitidee?

Welche Voraussetzungen braucht es für Kreativität?

Im Marketing können Sie nicht auf einen Geistesblitz warten. Die kreative Schöpfung muss zur Routine werden und am besten einem Prozess folgen. Das bedeutet: Sie müssen sich aktiv darum bemühen. Doch wie gelingt das? Zuerst gilt es, in Ihrem Team Voraussetzungen zu schaffen, die der Kreativität zuträglich sind.

Für Nino Zuberbühler, Senior Consultant bei der GRIP Agency, ist das Fundament eine vertrauensvolle Atmosphäre: «Mitarbeitende müssen mutig experimentieren und unfertige, im ersten Moment schräge Gedanken äussern dürfen. Sobald Druck und Angst den Raum beherrschen, blockiert das jede kreative Entfaltung.»

Neben diesem Fundament gibt es drei zentrale Voraussetzungen für Kreativität:

  • Beobachtungsgabe und Wissen: Kreativität speist sich bei jedem Menschen aus dem Fundus an neuronalen Verbindungen. «Je mehr Wissen man im Allgemeinen und rund um das kreative Projekt aufbaut, desto mehr Bausteine stehen einem für neue Kombinationen zur Verfügung», erklärt Roman Kasinski, Geschäftsführer der Kreativagentur Namo. «Eine genaue Beobachtungsgabe hilft, Eindrücke aufzunehmen und seinen inneren Fächer zu erweitern.»
  • Mindset: «Kreativität erfordert die Bereitschaft, starre Denkmuster und gewohnte Pfade zu verlassen – und Unsicherheiten auszuhalten», so Nino Zuberbühler. Entscheidend ist die Haltung, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Kreative müssen offen für Neues sein, geistig flexibel – aber auch beharrlich, um trotz Widerständen an einer Lösung dranzubleiben.
  • Umfeld: Kreativität braucht einen Rahmen, in dem Ideen gedeihen können. «Die Firmen- und Führungskultur bildet die Basis dafür», weiss Nino Zuberbühler aus Erfahrung. Genauso wichtig sind Teamwork – auch über Fachgrenzen hinweg –, geteilte Verantwortung, damit der Druck nicht auf einer Person lastet, sowie sozialer Rückhalt bei Misserfolgen.

Beobachtungsgabe, Wissen, Mindset und Umfeld entscheiden also darüber, wie viel Kreativität freigesetzt wird. Doch zusätzlich braucht es einen strukturierten Kreativprozess.

Endlich Klarheit: So kreativ sind Ihre Kampagnen

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Der Kreativprozess: In 5 Schritten zur aussergewöhnlichen Leitidee

Schritt 1: Vorbereitung

Klären Sie folgende Eckpunkte Ihrer Kampagne:

  • Ausgangslage/Ziel: Was ist der Auslöser für Ihre Kampagne? Welches Ziel wollen Sie damit erreichen?
  • Markenkern: Wie positioniert sich Ihre Marke? Welche Werte verkörpert sie? Welche übergeordneten Markenbotschaften soll die Kampagne transportieren?
  • Zielgruppe: Wen sprechen Sie an? Welches spezifische Problem lösen Sie für diese Menschen und was sind ihre handlungsrelevanten Motive (Wünsche, Ängste, Bedürfnisse)?
  • Botschaft: Wie lautet die Kernbotschaft der Kampagne? Welches zentrale Versprechen geben Sie der Zielgruppe? Welche Emotion oder Handlung wollen Sie damit auslösen?
  • Marktumfeld: Wie sieht die Konkurrenzsituation aus und wie können Sie sich abheben?
  • Budget: Wie gross sind die finanziellen Mittel, die Ihnen zur Verfügung stehen?

So unterstützt Sie KI dabei: KI kann aus Daten Informationen zur Zielgruppe ableiten, Markenwerte gegen Botschaften spiegeln und Lücken oder Widersprüche bei den skizzierten Eckpunkten aufzeigen.

Profitipp für diesen Schritt von Roman Kasinski: «Daten und Insight stecken den Rahmen für das kreative Projekt ab. Dennoch gilt: Eine Überdosis an Daten schnürt das gestalterische Korsett so eng, dass die Kreativität auf der Strecke bleibt.»

Schritt 2: Recherche und Ideensammlung

Nun beginnt Ihre kreative Entdeckungsreise. Denn Ideen entstehen durch das Suchen, Verarbeiten und Neuverknüpfen von Informationen. Bei diesem Schritt öffnen Sie den Blick:

  • Wissen vertiefen: Arbeiten Sie sich noch tiefer ins Thema ein, indem Sie aktuelle Informationen zum beworbenen Angebot zusammentragen.
  • Inspiration sammeln: Verarbeiten Sie Gelesenes, Gehörtes und Gedachtes. Fertigen Sie Skizzen an, sammeln Sie Bilder, machen Sie Fotos, erstellen Sie Moodboards oder suchen Sie nach Analogien in völlig fachfremden Bereichen.
  • Erste Kombinationen: Starten Sie im Team ein Brainstorming. Versuchen Sie, die gesammelten Informationen neu zu verknüpfen. Oft entstehen die originellsten Ansätze durch Analogien zwischen Dingen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. In dieser Phase helfen Ihnen auch weitere Kreativitätstechniken wie Brainstorming, mentale Provokationen oder morphologischer Kasten.

So unterstützt Sie KI dabei: Unter anderem kann KI Quellen sichten, aktuelle Erkenntnisse zusammenfassen, Branchentrends erkennen, unerwartete Analogien fürs Brainstorming anstossen und Ideen visualisieren.

Profitipp für diesen Schritt von Nino Zuberbühler: «Vermeiden Sie, zu schnell in Lösungen zu denken. Gerade in dieser Phase ist es viel wertvoller, den Denkraum bewusst offenzuhalten. Die Bewertung und die Selektion der kreativen Ideen erfolgen erst später.»

Schritt 3: Inkubation

Nachdem Sie erste Ideen zusammengetragen haben, sollten Sie immer wieder Phasen einplanen, in denen Sie nicht aktiv am Projekt arbeiten. So geben Sie dem Unterbewusstsein den Raum und die Zeit, das Rohmaterial neu zu kombinieren. Notieren Sie sich aber alles, was Ihnen in diesen «Off-Phasen» spontan einfällt – ohne aktiv darüber nachzudenken.

So unterstützt Sie KI dabei: Nutzen Sie KI als Sparringspartnerin, um Ihre losen Einfälle zu verarbeiten. Sie kann zum Beispiel Ihre Sprachmemos zu Notizen verarbeiten, die Ideen thematisch clustern und visualisieren sowie erste Varianten erzeugen.

Profitipp für diesen Schritt von Roman Kasinski: «Wenn Ihr Team den Kampagnenprozess von der Analyse bis zur Umsetzung begleitet, reifen Ideen ganz organisch im Arbeitsalltag. Tauschen Sie sich regelmässig aus, um neue Perspektiven freizusetzen und gedankliche Blockaden aufzubrechen. Erst durch das gemeinsame Spiegeln im Team entwickeln sich rohe Einfälle zu einer strategisch fundierten Leitidee.»

Wahr oder fake? Der Mythen-Buster zu KI im Kreativprozess

Slavica Vranjkovic, Geschäftsleiterin der Berner Kommunikationsagentur wunderwerk, räumt mit fünf häufigen KI-Mythen auf:

Mythos 1: KI macht die Kreativen überflüssig

«KI verändert unsere Arbeit, aber sie nimmt uns nicht das Denken, Entscheiden, Verstehen oder die Kreativität ab. Sie beschleunigt unsere Routinen, liefert Varianten und macht blinde Flecken sichtbar. Doch ohne Fachwissen, Strategie und Haltung ist und bleibt sie ein Zufallsgenerator. Relevante Ideen entstehen erst dann, wenn wir Markenverständnis, Kontextwissen, Empathie und Mut zur klaren Positionierung einbringen und Verantwortung für Wirkung und Angemessenheit übernehmen. KI ist für uns heute ein unterstützendes Werkzeug, aber niemals Absenderin.»

Mythos 2: KI beschleunigt den Kreativprozess
Mythos 3: KI senkt die Ausgaben für kreative Arbeiten
Mythos 4: KI führt zu Mittelmass in der Werbung
Mythos 5: Durch KI werden Kampagnen austauschbar

Schritt 4: Verifikation und Ausarbeitung

In diesem Schritt verwandeln Sie die besten spontanen Einfälle Ihres Teams in belastbare kreative Leitideen. Jetzt zahlt sich die Teamarbeit nochmals besonders aus.

  • Vom Einfall zum Lösungsansatz: Prüfen Sie gemeinsam im Team, welche Ihrer Ideen am meisten Potenzial haben, die gewünschte Wirkung zu erzielen. Bewerten Sie die kreative Kraft, aber auch, ob Aufwand und Kosten für die Umsetzung als Kampagne innerhalb der Leitplanken liegen.
  • Ausarbeitung: Schärfen Sie die beste Idee. Klären Sie unter anderem folgende Fragen: Wie lautet die Kernbotschaft der Kampagne? Wie sieht die visuelle Sprache aus? Welche Tonalität hat die Werbung – ist sie zum Beispiel humorvoll, provozierend oder seriös? Welche Geschichte erzählen Sie damit? Wie interagiert die Zielgruppe mit der Idee?
  • Präsentation und Freigabe: Präsentieren Sie die kreative Leitidee – oder eine Auswahl von Ideen – den Entscheidungsträgern. Diskutieren Sie darüber und legen Sie gemeinsam die finale Leitidee fest.

So unterstützt Sie KI dabei: KI generiert Prototypen für Copys, Visuals und Storyboards, gleicht dabei die Tonalität mit der Markenstimme ab, liefert Ihnen Vergleichsvarianten zur Auswahl und erstellt die Präsentation für die Entscheidungsträger.

Profitipp für diesen Schritt von Roman Kasinski: «Die kreative Leitidee muss am Ende nicht in erster Linie dem Auftraggeber gefallen, sondern der Zielgruppe. Das lässt sich durch eine konsequente Argumentation auf Basis von Zielgruppen-Insights sicherstellen.»

Qualitätscheck: Kriterien für kreative Exzellenz
Strategische Passung und Markenfit
Originalität
Relevanz und Zielgruppentauglichkeit
Klarheit und Einfachheit
Storytelling-Stringenz
Adaptierbarkeit und Wiedererkennbarkeit
Wirksamkeit und KPI-Beitrag

Schritt 5: Crossmediale Umsetzung

Eine starke kreative Leitidee ist medienneutral. In diesem Schritt adaptieren Sie sie auf die verschiedenen Touchpoints. Jedes Werbemittel muss die Leitidee transportieren, aber gleichzeitig die Eigenheiten des Kanals berücksichtigen.

So unterstützt Sie KI dabei: KI erstellt Varianten für die verschiedenen Kanäle, sodass die Leitidee über alle Touchpoints konsistent bleibt.

Profitipp für diesen Schritt von Nino Zuberbühler: «Kreative Exzellenz zeigt sich nicht nur in der Leitidee selbst, sondern auch darin, wie stimmig sie über verschiedene Kanäle hinweg weitergedacht und umgesetzt wird. Entscheidend ist, dass die einzelnen Massnahmen zusammen eine konsistente Wirkung erzeugen.»

Studie zeigt: Auch KI-generierte Werbung wirkt

Kann KI Kreativität? Auf diese Frage liefern das Werbetechnologieunternehmen Taboola und Forschende von vier Universitäten eine eindrückliche Antwort. Die 2026 veröffentlichte Studie zeigt: Von KI kreierte Display Ads erreichen im Durchschnitt gleich hohe Klickraten wie von Menschen kreierte. Die besten Werte aller Ads haben in der grossangelegten Studie jene Anzeigen erzielt, die zwar von KI generiert wurden, denen dies aber nicht anzusehen war. Einen Grund für die starke Performance sehen die Forschenden darin, dass KI häufiger Werbung mit grossen Gesichtern kreiert als die menschlichen Kreativen.

Nino Zuberbühler

ist Senior Consultant bei der GRIP Agency.

Portrait Nino Zuberbühler

Slavica Vranjkovic

ist Geschäftsleiterin der Berner Kommunikationsagentur wunderwerk.

Portrait Slavica Vranjkovic

Roman Kasinski

ist Geschäftsführer der Berner Kreativagentur Namo.

Portrait Roman Kasinski

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