Kreativität fördern in Unternehmen



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Kreativität fördern in Unternehmen Prof. Dr. Stephanie Kaudela-Baum zum idealen Umfeld für neue Ideen

Innovation ist das Schmieröl, das den unternehmerischen Motor rundlaufen lässt. Doch für die Entwicklung von neuen Ideen muss man für kreative Menschen das richtige Umfeld schaffen.  Wie Unternehmen Kreativität fördern, erklärt Stephanie Kaudela-Baum, Professorin an der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Porträt von Prof. Dr. Stephanie Kaudela-Baum

Welchen unternehmerischen Wert hat Kreativität?

Kreative Fähigkeiten sind der Kern-USP (Alleinstellungsmerkmal) des Menschen. Sie ermöglichen Unternehmen, anspruchsvolle Lösungen für neue Problemstellungen zu entwickeln und besser mit Unsicherheit umzugehen. Deshalb erhält Kreativität im Hinblick auf Digitalisierung und Automatisierung einen noch viel grösseren Wert. Kreativität ist nicht länger eine Kernkompetenz vorwiegend von Agenturen und Marketingteams, sondern eine Bedingung für das Zusammenspiel über alle Unternehmensebenen hinweg.

Haben die Schweizer Unternehmen diese Bedeutung erkannt?

Ja. Viele sind sich bewusst, dass sich radikal neue Ideen ausserhalb der klassischen Unternehmensstrukturen entwickeln. Selbst bei mittelgrossen Firmen finden sich inzwischen Innovation-Hubs und Zentren für Design Thinking. Welches Setting sich für ein Unternehmen eignet, hängt vom Budget ab. Die grossen Player haben hier einen Vorteil: Durch ihre Finanzkraft fallen bei ihnen sogar hochriskante Innovationsprojekte auf weichen Boden.

Wie können auch kleine und mittlere Unternehmen Kreativität fördern?

Indem sie über den Tellerrand schauen. Sie brauchen nicht die Organisationsprinzipien aus dem Silicon Valley zu kopieren. Aber es lohnt sich, Methoden anderer Unternehmen zu studieren, die ihre Kreativität erfolgreich entwickelt haben. Das beginnt schon bei der Rekrutierung. Unternehmen sollten sich einen Überblick verschaffen, über welche kreativen Fähigkeiten die bestehenden Mitarbeitenden verfügen und welche es durch eine gezielte Rekrutierung zu verstärken gilt. Wichtig dabei: Kreative Menschen sind oft anstrengende Typen, Querdenker, Nonkonformisten. Das gibt Reibungsfläche im Team und mit den Vorgesetzten. Wenn Unternehmen Kreativität und Innovation fördern wollen, müssen sie den Mitarbeitenden gegenüber deshalb grosszügig sein, sie so arbeiten lassen, damit sie sich entfalten und Ideen entwickeln können.

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Wie gelingt es Unternehmen, eine solche Kultur zu entwickeln?

Führungskräfte sagen ihren Mitarbeitenden häufig: Seid kreativ! Doch so einfach geht es leider nicht. Vielmehr müssen Vorgesetzte kontinuierlich ein Umfeld entwickeln, das es wahrscheinlicher macht, dass Kreativität entsteht. Wer die organisatorischen Grenzen öffnet und nicht alles vom Prozess her festlegt, holt ein Gefühl von Freiheit ins Unternehmen rein. Jeder im Team sollte seine Ziele kennen und wissen, welchen Freiraum er besitzt, um sie zu erreichen. Das bedeutet auch, als Führungskraft Fehler zuzulassen und über seine eigenen Fehler zu sprechen. Eine verstärkte Selbstorganisation kann hochmotivierte Mitarbeitende hervorbringen – je nach den Charakteren.

Auf welche Mitarbeitenden ist eine Selbstorganisation zugeschnitten?

Auf unternehmerisch Kreative, die gerne Neues ausprobieren. Anders sieht es bei künstlerisch kreativen Menschen aus. Sie schätzen meist emotionale Sicherheit. Die unvermeidlichen Konflikte bei offenen Strukturen behindern sie. Auch hier gilt: Als Führungskraft muss ich wissen, zu welchem der beiden Typen meine Mitarbeitenden gehören und welcher Grad an Selbstorganisation unsere kreativen Fähigkeiten als Team somit unterstützt. Dabei kann ein Assessment helfen.

Fördert Diversity die Kreativität?

Dazu gibt es in der Wissenschaft zwei Meinungen. Einige Forschungsergebnisse kommen zum Schluss, dass Diversität in Teams Kreativität und Innovation eher hemmt, weil Ideen zerredet werden und einzelne gute Gedanken untergehen. Andere Studien sehen überwiegend Vorteile. Demnach fördert der unterschiedliche soziale und kulturelle Hintergrund von Mitarbeitenden die Vielfalt an neuen Ideen und Lösungsmöglichkeiten. Meiner Meinung nach kommt es auf die technische Komplexität an. Bei einer komplexen IT-Aufgabe zum Beispiel nützt es einem Programmierer wenig, wenn Vertreter anderer Disziplinen und Denkweisen mitreden.

Zur Person

Prof. Dr. Stephanie Kaudela-Baum leitet das Competence Center Unternehmensentwicklung, Führung und Personal am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Sie ist unter anderem Studiengangleiterin des CAS Creative Leadership and Transformation in the Digital Age. Zu ihren Lehr- und Forschungsschwerpunkten gehören etwa Kreativitätsmanagement, Innovation and Change Management, Digital Leadership und Collaborative Leadership.

Das Interview wurde im Winter 2019 geführt.