«Erledigen Sie Ihre Mails, oder erledigen Ihre Mails Sie?»



Sprachnavigation

Kolumnenbild von Anitra Eggler

«Erledigen Sie Ihre Mails, oder erledigen Ihre Mails Sie?»

Die Bestsellerautorin und Digitaltherapeutin Anitra Eggler kennt sich nicht nur mit dem E-Mail-Wahnsinn, sondern vor allem auch mit den Rezepten dagegen aus. Wie wärs mit E-Mail-Öffnungszeiten oder Betreffzielen in der Betreffzeile?

Anitra Eggler verrät Ihnen in ihrem Erste-Hilfe-Video die besten Soforthilfetipps gegen E-Mail-Wahnsinn.

Kennen Sie E-Mail-Wahnsinn? Die beliebte Kommunikationskrankheit des Bürokriegers wurde früher als «Post machen» bezeichnet. Heute wird sie mit «Arbeiten» und «Projektmanagement» verwechselt und von führenden Software-Dealern als «Effizienzsteigerung» und «Produktivitätsturbo» verkauft. Mit Erfolg: Selbst durchschnittlich kommunikative Bürokrieger vermailen inzwischen einen ganzen Arbeitstag pro Woche. Raten Sie mal, wie lange eine neue E-Mail ungeöffnet im Posteingang weilt? Sechs Sekunden. Das ist E-Mail-Wahnsinn.

Herzliches Beileid: Jede zweite Mail ist so unnötig wie Sonnenallergie. Die Hälfte der Mailzeit ist Produktivitätsvernichtung, sagen Unternehmensberater der Firma Bain & Company. Wirtschaftlicher Schaden allein in den USA: 588 Milliarden Dollar pro Jahr. Und wenn Sie jetzt an den Werbebudget-Pragmatismus von Henry Ford denken und hoffen, dass die andere Hälfte intelligent investierte Mailzeit ist… Leider nein: Ein Grossteil der anderen Hälfte ist Beschäftigungstherapie oder blinder Aktionismus, dabei könnten die meisten Mails durch eigenes Nachdenken (wie googeln, nur krasser!), Recherchieren oder sogar durch einen simplen Anruf vermieden werden.

Mailen Sie noch, oder arbeiten Sie schon wieder? Sie sind nicht e-mail-wahnsinnig, das ist klar. Aber ganz sicher Ihr Chef, der standardmässig Anhänge erst dann verschickt, wenn mindestens fünf Leute per Mail ans gesamte Team nachgefragt haben, oder Ihr Kollege, der Sie per Mail fragt, ob Sie das Dokument mit den Produktivitätskennzahlen geöffnet haben, dabei sitzt er in Rufweite und Sie arbeiten eigentlich gerade «hochkonzentriert» an den Produktivitätskennzahlen, werden dabei aber zum dritten Mal in einer Minute durch den Hinweis auf eine eingehende E-Mail abgelenkt…

Von grossen Verteilern und lauten Tönen

Woran erkennen Sie E-Mail-Wahnsinnige? Ganz einfach: Sie mailen rund um die Uhr und lassen sich von ihrem Posteingang sagen, was sie als Nächstes «priorisieren». Selbst Spam-Mails beantworten E-Mail-Wahnsinnige in Nanosekunden. Damit andere sehen, wie «engagiert» und «produktiv» sie sind, setzen sie standardmässig mindestens drei weitere Gehaltsempfänger in Kopie. Womit wir bei den Härtefällen wären: Besonders e-mail-wahnsinnig sind Menschen, die früher in der Schule gepetzt haben – heute werden sie als manische In-CC-Setzer gefürchtet. Darunter leiden im Besonderen Führungskräfte, die aus Absicherungs-, Eskalations- oder auch Mobbinggründen standardmässig einkopiert werden. Härtefälle reagieren auf Plingtöne mit Schnappatmung und Speichelfluss. Sie lieben grosse E-Mail-Verteiler und nützen diese bei jeder sich bietenden Gelegenheit für Selbstdarstellung oder Lebensbedrohliches wie «das Verschwinden der Einhorn-Kaffeetasse aus der Küche im ersten Stock».

Die Folge dieser E-Mail-Flut? Milliardenschaden und Massenverblödung. Und wer hat Schuld? Die Mail? Die kann nichts dafür, sie wird von Menschen geschrieben und als Massenkonzentrationsvernichtungswaffe missbraucht. Die Mail ist unschuldig. Sie war einfach nur der erste digitale Dopamin-Dealer, der unser Arbeiten und wenig später auch unser Leben in eine unendliche Unterbrechung verwandelt hat. Ist das nicht grotesk? Jahrhundertelang haben Menschen für faire Arbeitsrechte, menschenwürdige Arbeitszeiten und humane Bedingungen gekämpft. Und jetzt schalten wir freiwillig nicht mehr ab, sind ständig auf Standby. Und das nur, weil es Technologie möglich macht, rund um die Uhr Nachrichten um den Globus zu jagen und in Nanosekunden auf jeden Mist zu antworten?

Illustration zum Thema Email-Wahnsinn

Anitra Eggler verrät Ihnen in ihrem Erste-Hilfe-Video die besten Soforthilfetipps gegen E-Mail-Wahnsinn.

Kennen Sie E-Mail-Wahnsinn? Die beliebte Kommunikationskrankheit des Bürokriegers wurde früher als «Post machen» bezeichnet. Heute wird sie mit «Arbeiten» und «Projektmanagement» verwechselt und von führenden Software-Dealern als «Effizienzsteigerung» und «Produktivitätsturbo» verkauft. Mit Erfolg: Selbst durchschnittlich kommunikative Bürokrieger vermailen inzwischen einen ganzen Arbeitstag pro Woche. Raten Sie mal, wie lange eine neue E-Mail ungeöffnet im Posteingang weilt? Sechs Sekunden. Das ist E-Mail-Wahnsinn.

Herzliches Beileid: Jede zweite Mail ist so unnötig wie Sonnenallergie. Die Hälfte der Mailzeit ist Produktivitätsvernichtung, sagen Unternehmensberater der Firma Bain & Company. Wirtschaftlicher Schaden allein in den USA: 588 Milliarden Dollar pro Jahr. Und wenn Sie jetzt an den Werbebudget-Pragmatismus von Henry Ford denken und hoffen, dass die andere Hälfte intelligent investierte Mailzeit ist… Leider nein: Ein Grossteil der anderen Hälfte ist Beschäftigungstherapie oder blinder Aktionismus, dabei könnten die meisten Mails durch eigenes Nachdenken (wie googeln, nur krasser!), Recherchieren oder sogar durch einen simplen Anruf vermieden werden.

Mailen Sie noch, oder arbeiten Sie schon wieder? Sie sind nicht e-mail-wahnsinnig, das ist klar. Aber ganz sicher Ihr Chef, der standardmässig Anhänge erst dann verschickt, wenn mindestens fünf Leute per Mail ans gesamte Team nachgefragt haben, oder Ihr Kollege, der Sie per Mail fragt, ob Sie das Dokument mit den Produktivitätskennzahlen geöffnet haben, dabei sitzt er in Rufweite und Sie arbeiten eigentlich gerade «hochkonzentriert» an den Produktivitätskennzahlen, werden dabei aber zum dritten Mal in einer Minute durch den Hinweis auf eine eingehende E-Mail abgelenkt…

Von grossen Verteilern und lauten Tönen

Woran erkennen Sie E-Mail-Wahnsinnige? Ganz einfach: Sie mailen rund um die Uhr und lassen sich von ihrem Posteingang sagen, was sie als Nächstes «priorisieren». Selbst Spam-Mails beantworten E-Mail-Wahnsinnige in Nanosekunden. Damit andere sehen, wie «engagiert» und «produktiv» sie sind, setzen sie standardmässig mindestens drei weitere Gehaltsempfänger in Kopie. Womit wir bei den Härtefällen wären: Besonders e-mail-wahnsinnig sind Menschen, die früher in der Schule gepetzt haben – heute werden sie als manische In-CC-Setzer gefürchtet. Darunter leiden im Besonderen Führungskräfte, die aus Absicherungs-, Eskalations- oder auch Mobbinggründen standardmässig einkopiert werden. Härtefälle reagieren auf Plingtöne mit Schnappatmung und Speichelfluss. Sie lieben grosse E-Mail-Verteiler und nützen diese bei jeder sich bietenden Gelegenheit für Selbstdarstellung oder Lebensbedrohliches wie «das Verschwinden der Einhorn-Kaffeetasse aus der Küche im ersten Stock».

Die Folge dieser E-Mail-Flut? Milliardenschaden und Massenverblödung. Und wer hat Schuld? Die Mail? Die kann nichts dafür, sie wird von Menschen geschrieben und als Massenkonzentrationsvernichtungswaffe missbraucht. Die Mail ist unschuldig. Sie war einfach nur der erste digitale Dopamin-Dealer, der unser Arbeiten und wenig später auch unser Leben in eine unendliche Unterbrechung verwandelt hat. Ist das nicht grotesk? Jahrhundertelang haben Menschen für faire Arbeitsrechte, menschenwürdige Arbeitszeiten und humane Bedingungen gekämpft. Und jetzt schalten wir freiwillig nicht mehr ab, sind ständig auf Standby. Und das nur, weil es Technologie möglich macht, rund um die Uhr Nachrichten um den Globus zu jagen und in Nanosekunden auf jeden Mist zu antworten?

Sie möchten Inspiration direkt in Ihrer Inbox?

In unserem E-Mail-Newsletter erhalten Sie monatlich die neuesten Trends, spannende Hintergrundinfos und hilfreiche Tipps für Ihren Geschäftserfolg.

Jetzt gratis abonnieren