Schluss mit Meetingmalaria und Präsentationspest

Sprachnavigation

Ich schnarche nicht, ich bin wach! Anitra Eggler über Meetingmalaria und Präsentationspest

Meetings und Präsentationen? Davon gibt’s zu viele, sie sind zu teuer und allzu oft ergebnislos, findet Anitra Eggler. PowerPoint kann nichts dafür, was Menschen mit dem Programm so anstellen. Wie es effizienter geht? Unter anderem mit guter Vorbereitung und grosser Entscheidungsfreudigkeit der Teilnehmenden.

Was hilft? Walk Your Talk, Spaziergang statt Sitzung oder 5-10-15-Minuten-Micro-Meetings. Mehr Tipps gibt es im Erste-Hilfe-Video.

Büroschlafmittel mit sieben Buchstaben? Sitzung. Der Präsentationsmodus «betreutes Lesen» – der Vortragende liest vor, was auf seinen Folien steht – wirkt verlässlicher als Valium 10. Rezeptfrei. Einfach nur jede Meetingeinladung akzeptieren, die Sie erhalten. MAS nennt man das – Mindless Accept Syndrome.

MAS ist wie eine Wunde, die sich selbst infiziert. Womit? Mit Meetingmalaria und Präsentationspest. Die Epidemien unserer Bürozeit ruinieren jährlich mindestens ein Viertel der Produktivität, schätzen die Unternehmensberater von Bain & Company. Und das geht so: Montagmorgen, 9.02 Uhr, 50 Franken: Kadermeeting am Hauptsitz. Im Besprechungsraum «Matterhorn» sitzen kumuliert 1500 Franken Stundenlohn. Keiner weiss genau, warum er da ist. War nicht gerade noch Wochenende? Erstmal Kaffee!

9.06 Uhr, 150 Franken: «Weiss jemand, wie der Beamer geht?» Alle sind auf einmal sehr mit ihren eigenen Bildschirmen beschäftigt. Nur ein deutscher Kollege blickt kurz von seinem Laptop auf, verweist auf die Fernbedienung und ergänzt: «Der Rest ist Sache der IT!»

9.10 Uhr, 250 Franken: Als wie durch ein Wunder der Beamer anspringt und eine PowerPoint-Folie an die wehrlose weisse Wand geworfen wird, klingelt das Handy des hierarchiehöchsten Anwesenden. Der Retro-Ton «Telefonklingel» ist unerträglich laut. Fremdschämen wird fühlbar. Das hochdotierte Smartphoneopfer nimmt den Anruf entgegen und sagt, dass er jetzt nicht ans Telefon gehen kann. Keiner lacht.

Illustration: Corina Vögele

Die Stimmung ist demotivierend desinteressiert. Da hilft auch der Eisbrecher nicht, mit dem Kaderkraft «Powerfrau» das Meeting betont launig eröffnen will: «Ein Dummkopf, der arbeitet, ist besser als ein Weiser, der schläft», lautet die chinesische Weisheit auf der ersten Folie ihrer Präsentation zum Thema «Personal- und Prozesskostenanstieg aufgrund der EU-Datenschutzgrundverordnung».

Es ist inzwischen 9.12 Uhr, das kollektive Aussitzen hat die Firma bereits 300 Franken gekostet. Während der Präsentation starren alle Teilnehmer abwesend auf ihre eigenen Bildschirme und beantworten Mails. Meetings sind für viele Manager ein Sandsack in der Flut: Hier können sie ungestört Mails abarbeiten. Gleichzeitig demotiviert die geistige Abwesenheit von Teilnehmern alle anderen; sie kostet Arbeitsspass und auch rückwirkend Produktivität. Kaderkraft «Powerfrau» hatte ihre Präsentation sieben Stunden lang vorbereitet, um jetzt in 45 Minuten à 1125 Franken zu sagen, was sie ohne Folien auch in fünf Minuten hätte sagen können.

Meetings sind für viele Manager ein Sandsack in der Flut: Hier können sie ungestört Mails abarbeiten.

Die Hälfte der Arbeitszeit ist inzwischen Meetingzeit. Die Unternehmensberater von Bain & Company haben das Verhalten von Tausenden Bürokriegern in 17 US-Konzernen analysiert. Die Bilanz: Firmenkader sitzen im Schnitt 7000 Stunden pro Jahr in Meetings, die von ihren Teams 300 000 Stunden lang vorbereitet werden. Mailen 10 000 Mitarbeitende während Meetings, entstehen dem Unternehmen 60 Millionen US-Dollar Verlust. Pro Jahr.

Produktivitätsvernichter Präsentationspest? PowerPoint kann nichts dafür, was Menschen mit dem Programm machen. Krankmacher Meetingmalaria? Jedes Meeting ist so gut wie seine Vorbereitung, die Relevanz und Entscheidungsfähigkeit seiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer, seine Agenda und seine Durchführung. Arbeitsspasskiller dauerabgelenkte, desinteressierte Kollegen? Menschen ändern ihr Verhalten, wenn Sie Ihr Verhalten ändern. Beginnen Sie jetzt!

Anitra Eggler

startete ihre Kommunikationskarriere 1992 als Todesanzeigentexterin in Buenos Aires. Heute ist die Karlsruherin Bestseller-Autorin und eine der erfolgreichsten Vortragsrednerinnen im deutschsprachigen Raum. Bevor sie die Bühnen als «Digitaltherapeutin» und den Buchmarkt mit provokanten Titeln wie «E-Mail macht dumm, krank und arm» eroberte, war sie 13 24/7-Arbeitsjahre als Managerin von Medien- und Marketing-Start-ups in der Internetbranche erfolgreich.

www.anitra-eggler.com

Sie möchten Inspiration direkt in Ihre Inbox?

In unserem E-Mail-Newsletter erhalten Sie monatlich die neuesten Trends, spannende Hintergrundinfos und hilfreiche Tipps für Ihren Geschäftserfolg.

Anmeldung