Zukunft der Arbeit: In Unternehmenskultur investieren



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Zukunft der Arbeit: In Unternehmenskultur investieren Interview mit Foresight-Expertin Cornelia Daheim

Wie wandelt sich die Arbeitswelt? Und wie können sich die Unternehmen darauf vorbereiten? Das waren zwei der Fragen, die an der Connecta 2019 beantwortet wurden. Am Anlass für Führungspersönlichkeiten von der Schweizerischen Post und von PostFinance präsentierten Referierende aus 12 Ländern ihre Thesen und Ideen. Foresight-Expertin Cornelia Daheim warf einen Blick auf die Zukunft der Arbeit.

Die Arbeitswelt der Zukunft: Cornelia Daheim
Sie sieht die Unterhmenskultur als zentralen Hebel für die Arbeitswelt der Zukunft: Cornelia Daheim bei ihrem Referat an der Connecta 2019.

Frau Daheim, welche Trends prägen die Zukunft der Arbeit?

Natürlich die Automatisierung und die künstliche Intelligenz. Sie haben das Potenzial, dass Maschinen einige unserer bisherigen Arbeiten übernehmen. Weil diese Trends medial zurzeit so stark im Fokus stehen, werden andere übersehen. Dazu zählen etwa die Flexibilisierung der Arbeit – eine unterschätzte Revolution – und die neuen Werte der Millennials.

Warum sehen Sie flexibles Arbeiten als Revolution?

Wir arbeiten grösstenteils immer noch wie eine Industriegesellschaft mit Stechuhr. Dabei brauchen wissensbasierte Tätigkeiten längst nicht mehr an einem fixen Ort erledigt zu werden. Wir können uns befreien von der Tyrannei des Bürotisches und vom 9-to-5-Job – hin zu viel mehr Selbstbestimmung. Das wird noch erstaunlich wenig gemacht. Die Unternehmen sollten einen ermächtigten Umgang mit dieser Flexibilität fördern und deren kulturelle Aspekte diskutieren. Wie gehen wir als Team zum Beispiel damit um, wenn wir am Sonntag E-Mails erhalten?

Sie haben auch die neuen Werte der Millennials angesprochen. Wie beeinflussen sie die Arbeitswelt?

Millennials gewichten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hoch, wünschen sich sinnstiftende Arbeit und erwarten eine neue Führungskultur.

Diese Anforderungen im Unternehmen zu thematisieren, kann eine riesige Chance sein, um die Generationen zusammenzubringen. Die Unternehmenskultur ist für die künftige Arbeitswelt also der zentrale Hebel. Wer sich nur an der Technik ausrichtet, zäumt das Pferd von der falschen Seite auf.

Apropos Technik: Welche Auswirkungen haben Automatisierung und künstliche Intelligenz auf die Arbeit der Zukunft?

Diese Technologien durchdringen sämtliche Berufsfelder. Aber nicht alle Aufgaben, die ersetzbar wären, werden tatsächlich automatisiert. Sicher ist: Der Umgang mit Informationstechnologien wird zur Normalität, auch in Arbeitsbereichen mit geringerem Bildungsstand. Da es in Zukunft viele Schnittstellen zu managen gibt, entstehen neue Berufsbilder. Eines davon nenne ich den virtuellen Hausmeister. Er koordiniert das Zusammenspiel von analogen und virtuellen Arbeitsräumen. Genauso braucht es künftig Empathie-Interventionisten. Sie übersetzen zwischen Mensch und selbstlernender Maschine. Am ehesten verschwinden werden Berufe, die bisher eine mittlere Qualifikation verlangten.

Was wird aus diesen Arbeitskräften?

Noch während sie den bisherigen Beruf ausüben, sollten sie sich bereits umschulen und dabei begleitet werden. Wir müssen uns als Gesellschaft darum kümmern, dass dieser Prozess gelingt. Das ist eine soziale Herausforderung. Es bedeutet, das Bildungssystem und wohl ein Stück weit auch die Sozialsysteme umzukrempeln. Gleichzeitig verschwimmen Lernen und Arbeiten. Gelernt wird vermehrt direkt in der Praxis und Peer-to-Peer.

Wie sieht der Arbeitsmarkt in zehn Jahren aus?

Unser Arbeitsmarkt ist ein träges System. Deshalb wird er in zehn Jahren nicht komplett anders aussehen als heute. Aber bei einem Teil der Stellen – er dürfte etwa zwischen zehn und dreissig Prozent liegen – erfolgt bis dahin ein Umbau. Zudem werden wir verschiedene Arbeitsformen nebeneinander sehen. Einige Arbeitnehmende wünschen sich dann nach wie vor den einen Beruf fürs Leben, während andere eine hohe Fluidität bevorzugen: Sie werden immer mal wieder in andere Jobs reinschauen, in anderen Unternehmen volontieren. Dieses agile Arbeiten dürfte in zehn Jahren deutlich normaler sein als heute.

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Welche Branchen sind von den Änderungen im Arbeitsmarkt am stärksten betroffen?

Die weitere Entwicklung ist natürlich noch mit grosser Unsicherheit behaftet. In der Vergangenheit verliefen einige Schritte – etwa bei der künstlichen Intelligenz – viel schneller als erwartet und andere viel langsamer, zum Beispiel die Transformation der Mobilität. Aus heutiger Sicht gehören zu den Branchen mit besonders einschneidenden Veränderungen unter anderem die Automobilindustrie, die Versicherungen sowie das Gesundheits- und das Sozialwesen.

Viele Jugendliche im Berufswahlalter und ihre Eltern machen sich Gedanken darüber, welche Berufe noch Zukunft haben. Was empfehlen Sie ihnen?

Ich würde mich nicht darauf versteifen, einen möglichst zukunftsträchtigen Beruf zu finden. Die Arbeitskräfte von morgen sollten stattdessen zwei Tipps befolgen. Erstens braucht es künftig in fast allen Berufsfeldern technologische Basiskompetenzen. Dazu gehört zum Beispiel, etwas Einfaches selbst programmieren zu können. Solche Kompetenzen kann man sich leicht aneignen. Sie geben ein besseres Grundverständnis für Informationstechnologien. Zweitens plädiere ich für mehr Mut, beruflich das zu tun, was man gerne macht und was einem Sinn stiftet. Dann kommen wir auch mit den Umbruchsphasen besser zurecht, die uns zweifelsohne noch bevorstehen.

Zur Person

Cornelia Daheim ist Gründerin und Inhaberin von Future Impacts Consulting. Als erfahrene Foresight-Expertin und -Beraterin führt sie seit rund 20 Jahren Foresight-Projekte für nationale und internationale Unternehmen durch. Diese erhalten einen umfassenden Überblick über Zukunftstrends und Handlungsempfehlungen, um ihre Strategie und ihre Organisation darauf abzustimmen.


www.future-impacts.de

So begegnen Sie dem Wandel in der Arbeitswelt am erfolgreichsten

5 Tipps von Connecta-Referent Andreas Bucher, Leiter Verkauf der Involve AG

1. Basis für Hygienefaktoren schaffen

  • Schaffen Sie solide Grundlagen mit Lohn, Lohnnebenleistungen und Arbeitsbedingungen.
  • Bieten Sie Ihren Mitarbeitenden durch Ihre Führung und die Unternehmenskultur einen guten Ort zum Arbeiten.
  • Fehler müssen erlaubt sein.

Prüfen: Liegen Ihre Löhne und Lohnnebenleistungen im Branchendurchschnitt?

Nachfragen: Holen Sie sich ein Feedback Ihrer Mitarbeitenden zu Arbeitsbedingungen, Führung und Kultur ein.

2. Motivationsfaktoren aktiv pflegen

  • Motivationsfaktoren führen zu Zufriedenheit, Motivation und Bindung zum Unternehmen.
  • Übertragen Sie Verantwortung, anerkennen Sie Leistungen und fördern Sie Mitarbeitende.
  • Schenken Sie Vertrauen.

Prüfen: Erhalten die Mitarbeitenden genügend Verantwortung?

Loslassen: Nur Mut. Halten Sie bei Ihrer nächsten Aufgabe, die Sie übertragen, die Zügel bewusst locker. Investieren Sie die «Kontrollzeit» besser in eine sorgfältige Instruktion.

Studien zu Management-Themen

Gelebte Kundenorientierung birgt viel Potenzial

Märkte sind einem dramatischen, nie dagewesenen Veränderungsprozess unterworfen. Mit der technologischen Entwicklung haben sich auch die Bedürfnisse der Menschen gewandelt. Unternehmen, die nicht am Puls der Zeit sind, fallen schnell zurück. Aktuelle Studien offenbaren wichtige Erkenntnisse zum Kundenverhalten und beleuchten Trends für neue Geschäftsmodelle.

Zu den Studien

3. Miteinander auf einer gemeinsamen Mission

  • Dank Verständnis und Wissen können Differenzen zwischen Abteilungen minimiert werden.
  • Blickt man über den Tellerrand hinaus, kann man sich besser in andere hineinversetzen (Empathie), das vernetzte Denken fördern und das Wir-Gefühl stärken.
  • Noch besser als Loben: ehrliche Anerkennung zeigen.

Prüfen: Sind die Unternehmensziele den Mitarbeitenden bekannt? Sind die Ziele darauf ausgelegt, dass man damit dem Erreichen der Unternehmensziele näherkommt?

Einblicke: Das Wir-Gefühl kann nur gestärkt werden, wenn man die Arbeiten anderer Stellen und Abteilungen wertschätzen kann. Nur schon, wenn man einem Mitarbeitenden eine Stunde über die Schulter schauen kann, schafft das Nähe. Probieren Sie es aus!

4. Mut zur Transparenz

  • Gut informierte Mitarbeitende können Entscheide besser nachvollziehen und vertreten diese auch überzeugender nach aussen.
  • Durch Transparenz werden Mitarbeitende zum Mitdenken und Mitgestalten animiert. Das fördert die Kreativität, die Effizienz und das Gemeinschaftsgefühl.
  • Schaffen Sie mit Transparenz mehr Vertrauen.

Hand aufs Herz: Wo hätten sie heute, gestern und letzte Woche mehr Informationen Preis geben können?

Animieren: Motivieren Sie Ihr Team resp. die Kaderkollegen zu mehr Transparenz und holen Sie ein Feedback ein, wie es bei Ihnen um die Transparenz steht.

5. Interne Kommunikation etablieren

  • Durch die Integration der Bottom-up-Kommunikation stärken Sie den Informationsfluss im Unternehmen.
  • Gut informierte Mitarbeitende identifizieren sich mehr mit dem Unternehmen.

Zusammentragen: Welche offiziellen Kommunikationskanäle werden für die interne Kommunikation genutzt?

Entwickeln: Kommunikation vereinfachen, zentralisieren, digitalisieren.

Zur Connecta

Wer sich brennend für die Digitalisierung interessiert und sich über deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Business austauschen will, kommt bei der Connecta auf seine Rechnung. Der jährliche Anlass der Schweizerischen Post und von PostFinance für geladene Gäste verbindet geladene Führungspersönlichkeiten, Experten und weitere Interessierte aus der digitalen Welt.

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