Schwierige Gespräche



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So meistern Sie schwierige Gespräche

Wir kennen Sie alle: Gesprächssituationen, denen wir unbedingt aus dem Weg gehen möchten. Oder die uns einfach furchtbar unangenehm sind. Mit der richtigen Technik können wir uns aber darauf vorbereiten und schlagfertig reagieren. Oder aber – wenn es die Situation erfordert – mit Schweigen weiterkommen.

Frau am Laptop und Geschäftsmann im Gespräch

Manchmal ist jedes Wort eines zuviel. Von der Kraft des Schweigens überzeugt ist Cornelia Topf. In ihrem Buch «Einfach mal die Klappe halten« erklärt die Autorin, in welchen Situationen wir schweigen sollten, um mehr Erfolg zu haben. Sie rät grundsätzlich dazu, vor einer Antwort zunächst zu überlegen. Durch einen Moment der Besinnung können wir nämlich überlegter antworten und uns dadurch vor schnellen Zusagen schützen, die zu Problemen führen können.

Junge Frau an einem Tisch schaut nachdenklich aus einem Fenster

Innehalten und Ruhe bewahren – das kann gerade in stürmischen Zeiten wahre Wunder wirken. Atmen Sie einmal ruhig durch. Dadurch tanken Sie Kraft und geben Ihrer Intuition eine Chance, bevor Sie vom Verstand niedergemäht wird. Intuition ist nämlich in der Regel die bessere Ratgeberin.

Setzen Sie Schweigen gezielt ein

Versuchen Sie einmal, anstatt sich nach einem Vorwurf zu rechtfertigen, nach einer Behauptung eine Gegenbehauptung aufzustellen oder auf eine Drohung hin verbal zurückzuschlagen, einfach zu Schweigen. Der Überraschungseffekt ist gross. Ein Moment der Stille gibt Ihnen Kraft und Zeit für einen souveränen Konter. Im Idealfall wird sich Ihr Gegenüber während der Schweigezeit seiner unüberlegten Worte bewusst.

Ein Moment der Stille gibt Ihnen Kraft und Zeit für einen souveränen Konter.

Trainieren Sie Schlagfertigkeit

Manchmal möchten wir verbale Attacken nicht schweigsam über uns ergehen lassen, sondern schlagfertig antworten. Das lässt sich üben. Es gibt einige Techniken, um Schlagfertigkeit zu entwickeln. Auf diese Art erhalten Sie Routine, gewinnen an Souveränität und Selbstbewusstsein. Testen Sie für sich, welche der folgenden fünf Techniken am besten für Sie funktionieren:

Junge Frau beim Boxen

Die Hörfehler-Technik beruht auf dem Vorspielen einer akustischen Fehlübermittlung. Man wiederholt den verbalen Affront leicht abgewandelt, damit er keinen Sinn mehr ergibt. Das bringt den Angreifer in die peinliche Situation, seine Verbal-Attacke
wiederholen zu müssen.

Die Gerade-weil-Technik eignet sich bei Vorwürfen, die mit Leistung und Kompetenzen zu tun haben. Oft reagiert der Angreifer perplex auf diese Argumentationsstruktur. Beispiel: Ein Bürokollege macht einen Spruch über Ihre neue Frisur. Sie entgegnen: «Gerade weil Sie bekannt sind für Ihren schlechten Geschmack, freut mich Ihre Bemerkung besonders.»

Mit der Kompliment-Technik könnte die Antwort auf das Beispiel lauten: «Ihre Frisur bewundere ich schon seit längerer Zeit. Doch ich bringe ein solch durchsichtiges Styling einfach nicht hin.» Meist verstehen Aussenstehende derartige Anspielungen noch vor dem Betroffenen und lachen. Erst dann wird dem Angreifer bewusst, dass er verloren hat.

Angriffe erfolgen meist von einer tieferen Ebene aus. Mit der Metaebene-Technik weichen Sie dem verbalen Schlag einfach auf eine höhere Ebene aus. Ein derartiger Gegenangriff könnte lauten: «Ihre Witze bringen offensichtlich nur Sie selbst zum Lachen.» Anschliessend unterstreichen Sie mit einem «und nun zurück zur Sache» die unterstellte Unwichtigkeit des Angreifers und seiner Argumente.

Zwei Männer in einem Gespräch vor einemTablet

Die Abgrenzungs-Technik sollten Sie nur in jenen Fällen einsetzen, in denen der Angreifer das Mass der tolerierbaren Verbal-Attacken überschritten hat. Das tönt dann zum Beispiel so: «Ihr Ton missfällt mir. Auf dieser Ebene führe ich keine Gespräche.»

Mit Klartext Vertrauen schaffen

Überlegte Reaktionen und schlagfertige Antworten schaffen Respekt bei Ihren Mitarbeitenden. Um Ihre Anliegen durchzusetzen und Projekte durchzuziehen, reichen Verteidigungsstrategien aber nicht. Was aber immer funktioniert, ist eine stets offene und klare Kommunikation. Sprechen Sie überlegt, also klar, fundiert, sachlich, lösungsorientiert, ehrlich, empathisch und respektvoll. So sind Ihnen Respekt und Achtung Ihrer Mitarbeitenden sicher.

Acht Tipps zum Klartext reden und schreiben

  1. Verbindlich sein. Sagen Sie nicht: «Ich melde mich», sondern: «Ich rufe Sie am Mittwoch an.»
  2. Eine fundierte Meinung bilden. Dies setzt voraus, dass Sie sich mit Ihrem Thema auseinandersetzen, Vor- und Nachteile abwägen, andere Meinungen anhören, nachdenken, recherchieren, reflektieren.
  3. Mut beweisen. Mutig sein bedeutet, sich nicht von der Angst leiten zu lassen. Vertreten Sie Ihre Meinung klar und sachlich, statt eine Fahne im Wind zu sein.
  4. Nachvollziehbar kommunizieren. Legen Sie Ihren Standpunkt so dar, dass Ihr Gegenüber ihn nachvollziehen und verstehen kann – sachlich und lösungsorientiert.
  5. Ehrlich sein. Klartext reden bedeutet nicht, seine gesamte Gedankenwelt preiszugeben, sondern ehrlich und reflektiert zu sagen, was einem wichtig ist. Ehrlichkeit schafft Vertrauen.
  6. Auf Augenhöhe kommunizieren. Behandeln Sie Ihr Gegenüber respektvoll, auch wenn Ihre Botschaft negativ ist. Übrigens: Nörgeln hat nichts mit Klartext reden zu tun. Denn wer nörgelt, gibt seine Meinung unreflektiert und unsachlich wieder und behandelt sein Gegenüber nicht auf Augenhöhe.
  7. Mitarbeiter einbeziehen. Fordern Sie auch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf, ihre Meinung kundzutun und bieten Sie dazu geeignete Tools wie firmeninterne Blogs oder Wikis.
  8. Klartext belohnen. Wertschätzen Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Meinung klar, sachlich und fundiert zum Ausdruck bringen.

Quellen:
«Richtig denken –wirksam managen. Mit klarer Sprache besser führen», von Fredmund Malik, Campus Verlag, 2010

«Klartext – Sagen, was Sache ist. Machen, was weiterbringt» Dominic Multerer, Verlag Gabal, 2015

«Einfach mal die Klappe halten – Warum Schweigen besser ist als Reden», von Cornelia Topf, 2010

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